
Winterhausen am Main, etwa 15 km südlich von Würzburg gelegen, hat eine uralte Weinbautradition, deren Ursprung möglicherweise in das 8. Jahrhundert n. Chr. zu datieren ist. In dieser Zeit sollen Benediktinermönche im Frankenland den ersten Rebstock gepflanzt haben.

Schon früh wurde der Wein aus Winterhausen als „ausgewogen', „besonnen', „fest im Charakter', geschätzt, als von einer etwa herberen Qualität, die aber von einem vorzüglichen kräftigen Bukett begleitet wird.
Mitbestimmend dafür ist sicher die geologische Struktur des kalkhaltigen Bodens mit lehmig-toniger Deckschicht.
Die Geschichte dieses schon sehr früh von sesshaften Gruppen bewohnten Raumes gibt interessante Einblicke in die Entwicklung der mainfränkischen Gebiete.
Der erste Nachweis menschlicher Besiedlung in der Winterhäuser Gemarkung wird durch einen Pflugkeil aus der Jungsteinzeit geführt. In die Zeit von 700 bis 450 v. Chr. zu datieren ist eine Grablage, in der bronzene Armreife und eine Fibel gefunden wurden.
Für das Jahr 706 n. Chr. bezeugt der Nürnberger Mönch Engelhard den Namen „Husun' für die Ansiedlung beiderseits des Mains; in späteren Chroniken wird er mit „Ahusen' angegeben. Die Bestandteile dieses altdeutschen Namens ergeben die Deutung „bei den Häusern am Bach'.
Kirchliche Institutionen hatten im Raum um Winterhausen umfangreiche Besitzungen und beträchtliche Lehensrechte. Das wird z. B. in alten Urkunden bestätigt, nach denen der Abt Johann des Klosters Heilsbronn 1533 den Zins- und Gült-Wein aus Winterhausen an den Schenken Karl von Limpurg verkaufte.
Schon in mittelalterlicher Zeit hatten sich einige Handwerkszweige wie Posamentierer, Kamm-Macher und Korbflechter entwickelt, die neben Weinbau und Fischerei die Erwerbsstruktur in Winterhausen bestimmten. Ergänzend kam kurz nach 1900 dominierend das Handwerk der Steinbrecher und Steinmetzen dazu.
Im Jahre 1823 konnte Winterhausen eine bestockte Rebfläche von stattlichen 626 Morgen in Hanglage und weiteren 126 Morgen in der Ebende aufweisen. Aber schon 80 Jahre später veränderte sich die Situation radikal: Eine Pilzkrankheit vernichtete die Rebenbestände fast völlig. Zwangsläufig wurde die Erwerbsstruktur weitgehend auf Landbau und Viehhaltung umgestellt, was bei der Enge der „Häcker' - Anwesen vielerorts erhebliche Raumnöte aufwarf.
Im Rahmen der Flurbereinigung konnte jetzt wieder an die Tradition im Weinbau angeknüpft werden. Eine großzügige Weinbergsneuanlage von 12 ha entstand. Die letzte Rebe wurde Anfang Juni 1983 gepflanzt. Bemerkenswert an dieser Anlage ist die außerordentliche harmonische Einbettung in die Landschaftskulisse. Sie grenzt beidseitig an Waldflächen und wird im Norden durch eine Windschutzpflanzung gedeckt.
Die Winzer von Winterhausen wählten als Lagenamen „Kaiser Wilhelm' da die neu gepflanzte Rebfläche direkt an das Landschaftsschutzgebiet „Wilhelmshöhe' angrenzt. Das heutige Landschaftsschutzgebiet erhielt im Jahre 1897, zum Gedächtnis des 100. Geburtstages von Kaiser Wilhelm I, die offizielle Bezeichnung „Kaiser Wilhelmshöhe'.
|